Gastbeitrag von Manuela Zlateva
Referentin Online-Kommunikation, Konrad-Adenauer-Stiftung, Medienprogramm Südosteuropa
Während des ersten Newsgeist-Treffens 2015 in Helsinki wurde Google von vielen Teilnehmern als ein fremder Akteur wahrgenommen. Da das Unternehmen in Europa sehr stark unter Kritik steht, war Skepsis während der sogenannten „Unconference“ darüber spürbar, welches Ziel Google mit dieser Einladung an europäische Medienmacher und -experten verfolgen würde. Zumindest war das mein persönliches Gefühl damals.
Beim diesjährigen Newsgeist wurde auch viel über neue Projekte gesprochen, die höchstwahrscheinlich den Medienmarkt in den nächsten Jahren beeinflussen werden. Viele Ideen wurden sehr offen in kleinen Gruppen ausgetauscht. Neben technischen Aspekten wurden auch grundsätzliche und ethische Fragen zur Rolle der Medien und des Journalismus gestellt. Dabei wurde ebenso die eigene Branche stark reflektiert.
Viele freie Journalisten, aber auch große Medienhäuser in Europa stehen der Frage gegenüber, wie sich Medienprojekte besser monetarisieren lassen. Oft wird bei der Projektentwicklung mit „Trial and Error“ experimentiert und erst nach Lösungen statt nach Monetarisierungswegen gesucht. In dieser Hinsicht befindet sich die Medienbranche gerade in Bewegung und bei Newsgeist wurde viel über neue innovative Business-Modelle diskutiert.
Europa besteht aus sehr kulturell heterogenen Teilöffentlichkeiten. In dieser Hinsicht war die geringe Anzahl von Teilnehmern aus Osteuropa von Nachteil. Auch dort entwickelt sich eine starke Startup-Szene. Medienprojekte im Bereich des Entrepreneurial Journalism und neue Geschäftsmodelle für investigativen Journalismus können in Osteuropa einen stärkeren gesellschaftlichen Einfluss haben und die Medienvielfalt und die Demokratieentwicklung unterstützen.
Während der drei Newsgeist-Tage in Bilbao sagte jemand, wenn Newsgeist ein Ort wäre, dann würde man dort gerne wohnen. Ich würde diesen Satz etwas umformulieren: Wenn es einen Ort der Meinungsfreiheit und der Kreativität gäbe, wo man Zukunft zusammen gestalten kann, dann könnte man ihn Europa nennen.
(Fotos: © Manuela Zlateva)